Spaß mit Schwarz-Rot-Gold? Das war über Jahrzehnte tabu. Ein Fest mit der ganze Welt und hat uns die Freude an unserem schönen Land wiedergebracht: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Pünktlich dazu kam ‚Made in Germany‘ aus der Garage – das Konzert zum Land, die Erinnerung an ein rauschendes Fest, bei dem der Bundesadler quasi auch mal brasilianisch steppt und ein abendfüllendes musikalisches Fest, das dazu ermuntert, die (teilweise auch schräg humorvolle) gelebte Freude am Vater-oder/und Mutterland nicht den Falschen zu überlassen. Röhrender Hirsch, Berliner Mauer, Graffiti und ein atemberaubendes Bergmassiv sind im Plakatmotiv der Show zu einer sehr eigenen Synthese kombiniert. Na ja: Das passt doch!

Hören Sie die glanzvollen Klänge von Richard Wagners ‚Meistersinger‘-Vorspiel, auch in der jungen Bundesrepublik das klassische Eröffnungsrepertoire für öffentliche Bauten und sonstige Festivitäten – und reißen Sie gleich danach die kühle Fassade wieder ein: ‚Hurra, hurra, die Schule brennt‘. Ein kühnerer dramaturgischer Streich dürfte in kaum einem vergleichbaren Programm gespielt sein – extrabreite Interventionen in Bayreuth… Wenige Takte später taucht Klaus Doldingers ‚Das Boot‘ von majestätischen Männerchören begleitet ins filmmusikalische Meer und bereitet das Tableau für Richard Wagners ‚Liebestod‘, bei dem Sie erfahrungsgemäß auch bei vielen tausend Besuchern die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. ‚Wind of Change‘, die Hymne zum Ende des Kalten Krieges, ‚Hänsel und Gretel‘, Deutschland im Kuchenthekenglanz, Marius Müller-Westernhagens pralles ‚Sexy‘, die ‚Bayern‘-Schelte der ‚Toten Hosen‘ mit Wiedergutmachung für alle Bayern-Fans in Wies’n-Dur oder Rio Reisers monarchische Wunschträume vom rockenden ‚König von Deutschland‘. Die folgt übrigens als Finale auf eine extrem druckvolle, extrem unterhaltsame und gleichzeitig kompositorisch erstklassig zeitgenössische Paraphrase aus Johann Sebastian Bachs weltberühmte ‚Toccata‘. Bei Rudolf Herzers ‚Hoch Heidecksburg‘ hängt der Himmel voller Pickelhauben und in klangvoll a cappella intonierten Männerchören schweift der Geist über Wipfel und Höhen. Deutschland musikalisch – in drei Stunden? Nicht alles ist dabei. Aber alles, was Sie für einen tollen Konzertabend brauchen – im begeisternden Gute-Laune-Rausch von 2006.

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