Das Capitol Theater Offenbach ist selbst ein Kunstwerk – ein Haus mit Charisma und Geschichte, ein verrückter und glamouröser, geschichtsträchtiger und irrsinnig lebendiger Ort. Seit 1998 fasziniert das Theater im schillernden Interieur des Pariser Star-Architekten Jean-Pierre Heim, der unter anderem auch für die Air France opulente Bauten entwarf. Das Capitol ist multifunktional: Hier feiert die Europäische Zentralbank mit geladenen Gästen Weihnachten und spielt der traditionsreiche Offenbacher Amateur-Theaterclub „Elmar“ vor dreimal ausverkauftem Haus Weihnachtsmärchen. Weltstars mit Selbstverwirklichungsprojekten vor kleinerem Auditorium geben der deutschen Kabarett-Elite die Klinke in die Hand. Und die Neue Philharmonie Frankfurt plant, probt und spielt unter Kuppel und Kronleuchter des historischen Baus.

Gebaut wurde das Haus 1916 als Synagoge der reformorientierten jüdischen Gemeinde Offenbachs, die in einer schon damals zukunftsweisenden Architektur neben Gottesdienst und Gemeindearbeit auch Kunstausstellungen und Konzerte initiierte. 1938 war die kurze Blütezeit vorbei – die Nationalsozialisten schändeten die Synagoge, perfiderweise gerade so weit, um sie nach Zwangsverkauf an einen örtlichen Kinobetreiber als „National-Theater“ für Filmaufführungen und Parteiveranstaltungen nutzen zu können.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Synagoge über die Jewish Restitution Organisation der Stadt Offenbach als Kulturstätte übergeben, die sich ihrerseits am Bau der neuen Offenbacher Synagoge direkt gegenüber beteiligte. Diese wurde der erste Synagogenbau nach dem Krieg in Hessen.

Bis in die 1990er Jahre wurde das heutige Capitol als „Theater an der Goethestraße“ geführt und sah Hunderte von Theater- und Operngastspielen, Kunstausstellungen und Galas, die das Kulturamt der Stadt hier veranstaltete. Bis im Rahmen rigider Sparmaßnahmen unter anderem viele Kulturangebote dem Rotstift zum Opfer fielen – auch das Theater.

Im verpachteten Haus erlebte das The-Who-Musical „Tommy“ seine Deutschlandpremiere; die gefeierte Inszenierung hielt sich aber nur eineinhalb Jahre auf dem Markt.
Nach einem neuerlichen Umbau in den aktuellen Stand übernahm die Stadt das Haus bald wieder in einer eigenen GmbH, der E.C.O. Event Center Offenbach GmbH. Zahlreiche Gastveranstaltungen, ob öffentliche Konzerte oder Unternehmensevents, haben hier ebenso ihren Platz wie eigene Veranstaltungen von Stadt und Capitol.

Seit 2005 ist das Capitol Theater Offenbach Sitz der Neuen Philharmonie Frankfurt und präsentiert hier seit 2006 die Sinfoniekonzertreihe „Capitol Classic Lounge“. Seit 2009 knüpft das städtische Kulturbüro/ Forum Kultur und Sport mit der „Theateressenz“ in einer ambitionierten Gastspielreihe mit Inszenierungen der Bayerischen Staatsoper, des Theaters Bremen u.a. wieder an die große Theatervergangenheit des Capitols an.

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