Leidenschaft ist Leidenschaft. Authentizität ist Authentizität. Qualität ist Qualität.

Braucht es da noch Unterscheidungskriterien? Sting interpretiert mit berührender Hingabe Musik des Renaissance-Musikers John Dowland, während der italienische Pionier der experimentellen Moderne, Luciano Berio, ebenso passioniert und detailfreudig Musik der Beatles instrumentiert.

So ist die Perspektive der Neuen Philharmonie Frankfurt auf das Phänomen Musik: Wozu die Schlagzeugerin abends nach dem Orchesterdienst im eigenen Bandprojekt die Drumsticks pulsieren lässt und wozu der Cellist am Wochenende abtanzt – das ist enorm vitale Musik. Für uns genauso lebendig wie eine Partitur von Ludwig van Beethoven oder Maurice Ravel.

Aber umgekehrt auch. Dass Beethovens „Neunte“ nach fast 190 Jahren noch Menschen quer durch Geburtsjahrgänge, Jobs und Milieus im Innersten packt und zu den Sternen reißt mindestens wie ein grandioses Hollywood-Finale, hat seinen Grund. Es hat etwas damit zu tun, dass der Kern dieser Noten einfach so herausragend, so emotional aufgeladen ist, dass er im 21. Jahrhundert noch genauso viel „Heute“ hat wie in den 1820er Jahren des Habsburger Wien.

Ganz zu schweigen zum Beispiel vom „Walkürenritt“ des Herrn der Nibelungen-Ringe, der mit Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ 1979 als Hardrock auch fürs zweite Jahrhundert nach seiner Entstehung festzementiert wurde. Purer, härter geht’s nicht. Und sinnlich-trauriger als Gustav Mahlers „Adagietto“ in Luchino Viscontis „Tod in Venedig“ geht es auch nicht.

Um zurück zum Thema zu kommen: Musik ist für uns Musik. Joe Cockers Version des Beatles-Titels „With a little Help from my Friends” ist elementar und aufwühlend. Meat Loafs Balladen rauschend wie große Oper. Oder eben Stings (siehe oben) eigene Ballade “Fields of Gold”, so berührend wie ein schlichtes Lied des großen Franz Schubert.

Alle diese Musik ist die Musik der Neuen Philharmonie Frankfurt. Orchestrale Avantgarde mit den enthusiasmierenden Rhythmen türkischer Folklore. Samt und Plüsch im Belcanto von klugem Pop. Johannes Brahms als Musik mit dem Biss und Herz jedes/r einzelnen/r Musikers/in von heute. Debussy inspiriert vom eigenen Blick aus dem Fenster in den Morgennebel. Dampf mit allem Druck, den die Physis zulässt, in grandiosem Rock’n’Roll. Und das Balancieren im Experiment mit ausgefeilter Computertechnik, die gleichzeitig jedes einzelne Orchesterinstrument als ebenbürtigen Partner nimmt.

Leidenschaft ist Leidenschaft. Authentizität ist Authentizität. Qualität ist Qualität.

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