Betroffenheit
„Verdis beste Oper“ – so die Meinung vieler Musikliebhaber. Und das war nicht nur positiv gemeint. Puristen, insbesondere in Deutschland, störten sich an der leidenschaftlichen, ungenierten Synthese von religiösem Inhalt und musikalischer Überwältigung. Aber die Messa da Requiem ist weder eine Oper noch passt sie in den Rahmen eines Gottesdienstes. Verdi verlieh seiner Betroffenheit über den Tod Rossinis und des Nationaldichters Alessandro Manzoni Ausdruck, indem er jahrzehntelange musiktheatralische Erfahrung und tiefe Bewunderung der italienischen Tradition der Vokalpolyphonie mit meisterlicher Beherrschung der kompositorischen Mittel verband. So entstand ein Oratorium, das zusammen mit Händels Messias und Beethovens Missa solemnis zu den bedeutendsten Werken der Gattung zählt.
Erlösung
Denn der Schöpfer von Die Macht des Schicksals, Aida und Don Carlos verstand den Requiem-Text als Libretto. Theologie interessierte Verdi wenig, menschliche Gefühle dagegen umso mehr. Die Musik berührt unmittelbar und das Requiem ist, wenig überraschend für den größten Opernkomponisten seiner Zeit, ein Fest für Stimmen. Wirkungsvolle Chorsätze und dankbare Partien für die Solisten sind die tragenden Säulen: Das donnernde Dies Irae beeindruckt ebenso wie das schmelzende Ingemisco, das prachtvolle Sanctus, das erschütternde Lacrymosa oder das dramatische Liber scriptus. Nach Bildern höllischen Schreckens und himmlischer Seligkeit entlässt Verdi sein Publikum schließlich mit der flehentlich gehauchten Bitte um Erlösung – Libera me!
Programm:
Giuseppe Verdi (1813-1901) – Requiem
Ania Vegry | Sopran
Mareike Morr | Mezzosopran
Joshua Whitener | Tenor
Marcel Brunner | Bass
Chor der Erlöskirche Bad Homburg | Chor
Jens Troester | Dirigat
Im Konzertsaal hören Sie um 18:30 einen Vortrag des Chefdirigenten über das Programm. Der Vortrag dauert 30 Minuten bei freier Platzwahl
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